Das Drosendorfer Würfelspiel
Doch eines Nachts, die Männer schliefen vor lauter Müdigkeit fest auf ihren Strohsäcken, der Nachtwächter war neben einem Bierfass eingeschlafen, wurde die Stadt von fremden Landsknechten überfallen. Der Anführer dieser Landsknechtbande hatte von seinem König den Befehl alle Frauen und Mädchen gefangen zu nehmen und in sein Königreich zu bringen. Das Drosendorfer Frauenvolk war von jeher für seine Schönheit und Anmut bekannt. So geschah es, dass sich alle Frauen und Mädchen am Hauptplatz versammeln mussten. Das war dem Stadthauptmann natürlich gar nicht recht. Schließlich befanden sich unter den gefangenen Frauen auch sein eigenes Weib und seine zwei Töchter.
Der Stadthauptmann verhandelte mit dem fremden Rädelsführer. Er bot für die Freilassung der Frauen viele Krüge Wein aus dem Ratsherrenkeller und reichlich Gold und Silber. Nachdem der Anführer einige Krüge Wein getrunken hatte, war man sich des Handels einig. Zehn Körbe gefüllt mit Gold und Silbermünzen sollten die Bürger der Stadt zusammentragen und damit die Frauen freikaufen.
Manche Bürger gaben keinen einzigen Taler, andere wieder öffneten ihre Truhen, gaben all ihr Vermögen, so dass sie die zehn Körbe füllen konnten. Beim Anblick des Schatzes glänzten die Augen des Anführers, aber es war ihm nicht genug.
Der Stadthauptmann war ein schlauer Fuchs. Er gab dem Befehlshaber noch einige Krüge Wein zu trinken. Danach spielte er mit ihm das Drosendorfer Würfelspiel. Der Stadthauptmann gewann Spiel um Spiel. Er gewann den gesamten Drosendorfer Schatz zurück, auch die Pferde des Landsknechtpacks, deren Schwerter, Hemden und Hosen. Schließlich mussten die Eindringlinge mit nacktem Leibe Drosendorf verlassen.
Es wurde ein ordentliches Fest in Drosendorf gefeiert und der Stadthauptmann wurde umjubelt. Auf die Frage, wie er es angestellt hatte, jedes Spiel zu gewinnen, antwortete der listige Stadthauptmann:
"Spiel mit mir um einen Krug Wein, wenn Du gewinnst, bekommst Du Wein und Würfelspiel". Der Stadthauptmann behielt sein Würfelspiel bis zu seinem Tode. Das Drosendorfer Würfelspiel wurde von Stadthauptmann zu Stadthauptmann vererbt und durfte nur für Spiele zum Wohle der Stadt verwendet werden.
Der Nachtwächter aber wurde von den Drosendorfer Frauen gar nicht freundlich behandelt. Ab sofort übernahmen die Drosendorfer Frauen das Geschäft des Nachtwächters. Dies tun sie auch heute noch!
