I
m Laufe des letzten Jahrzehntes des 14. und ersten des 15. Jahrhunderts wurde die Gegend um Drosendorf häufig von tschechischen Raubrittern heimgesucht. Einer der berüchtigsten war der Hynek von Kunstadt, auch Dürrenteufel genannt. Von ihm lernten das Stegreifhandwerk Albrecht und Johann von Vöttau. Diese sammelten einmal 500 Raubgesellen und zogen im Jahre 1405 gegen Drosendorf. Als es Nacht war, überstiegen die Räuber mittels Leitern die Stadtmauern und drangen in die sorglose Stadt ein. Wie sie dann mit den Bürgern, ihren Frauen und Mädchen, sowie sonstigem Hab und Gut wirtschafteten, kann man sich leicht vorstellen, denn es kam auf jeden Einwohner der Stadt, die damals kaum 500 Seelen ausgemacht haben dürfte, zumindest je ein Räuber. - Fünf Tage und Nächte lang war der Vöttauer Herr der Stadt, mit Ausnahme des Schlosses, in dem sich ein aus Oberösterreich stammender Ritter namens Haderer, das der kurz vorher um 1100 Pfund Pfennige von den oberösterreichischen Herzogen gekauft hatte, befand, und der die Angriffe der Räuber (wie die "Zwettler Annalen" berichteten) " mit einem gewaltigen Steinregen abwehrte." Unterdessen hatten die beiden Geräummeister Ritter Otto von Maissau und Graf Johann von Hardegg ein kleines Heer gesammelt. Und unterstützt von Bauern aus der Umgebung von Drosendorf, namentlich aus Zissersdorf und Langau, zogen sie geräuschlos des Nachts gegen Drosendorf, drangen mit den Ihren durch eine Pforte ins Schloss und fielen dann, im Verein mit des Haderers Leuten über die Räuber in der Stadt her. "Nur wenige retteten sich durch die Flucht; die meisten wurden niedergemetzelt, teils in der Thaya ertränkt, teils aufgehängt...." Albrecht Vöttauer wollte flüchten, verkleidete sich und gab sich für einen Bauern aus Seebs aus, wurde jedoch an seiner (der Deutschen wohl nicht beherrschenden) Sprache erkannten und von einem richtigen Bauern mit dem Spieße auf den Kopf geschlagen, "worauf er vom Pferd stürzte und nach 36 empfangenen Wunden starb." Sein Bruder Johann wurde gefangen.